Campus Fachschule | Ausbildungsbereiche | HeilerziehungspflegerIn Ausbildungskonzept
Aufbau der Ausbildung
"Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt." Aldous Huxley, SchriftstellerErwachsenenbildung
Die Ausbildung Heilerziehungspflege wird von Erwachsenen verschiedener Altersgruppen und mit unterschiedlichsten beruflichen Erfahrungen besucht. Die Seminar- und Arbeitssituationen entsprechen den Erfordernissen der Erwachsenenbildung.
Die lebens- und berufspraktische Methodik der Erwachsenenbildung umfasst die Selbstständigkeit des Lernens, Selbstorganisation und Dokumentation, Entwicklung und Bearbeiten eigener Fragestellungen, sowie Mitgestaltung und die Übernahme von Verantwortung am Ausbildungs- und Praxisplatz. So wird nicht nur die Möglichkeit geschaffen, sich den Ausbildungsweg persönlich zu Eigen zu machen, sondern auch der Grundstein gelegt für die spätere kompetente Berufsausübung.
Die Seminarleitung, respektive die DozentInnen, sind Partner einer Bildungsvereinbarung, die zwischen der Fachschule und den SeminaristInnen für einen bestimmten Zeitraum geschlossen wird.
Methodik und Aufbau der Ausbildung
Ziel unserer Ausbildung ist der Erwerb von Fachwissen sowie Sozial- und Handlungskompetenz auf Grundlage des anthroposophischen Menschenbildes. Die persönliche Haltung gegenüber den Menschen und entsprechend den zukünftigen Aufgaben ist das entscheidende Kriterium auf dem Weg hin zum erfolgreichen Abschluss der Ausbildung.
Lebensfreude, Interesse, Kreativität, Initiativkraft und Verantwortlichkeit stützen uns in unseren beruflichen Aufgaben. Die Fähigkeit zu Reflexion und Selbsterziehung hilft uns in unserer persönlichen und beruflichen Entwicklung weiter.
Zum Erreichen der fachlichen Ziele arbeitet Campus am Park eng mit den ausbildenden Praxisorten zusammen (praxisintegrierte Ausbildung). Dabei übernehmen Fachschule und Praxisort unterschiedliche Schwerpunkte in der Kompetenzbildung, indem sie jederzeit Erfahrungs- und Erkenntnislernen als sich ergänzende Lernprozesse ermöglichen.
Um in der sozialtherapeutischen Arbeit Entwicklung zu ermöglichen, muss in der Begegnung zwischen den HeilerziehungspflegerInnen und den Menschen mit Hilfebedarf ein schöpferischer, sozialkünstlerischer Prozess entstehen (die Teamarbeit der MitarbeiterInnen ist davon nicht ausgenommen). Im künstlerischen Tun innerhalb des Unterrichtes haben die SeminaristInnen die Möglichkeit, die persönlichen Voraussetzungen zur Gestaltung solcher Prozesse zu erlangen.
Daher ist die Ausbildung zum/zur HeilerziehungspflegerIn ein
trialer Ausbildungsgang
mit den SchwerpunktenErkenntnis - Kunst - Praxis.
Neben der fachlichen Qualifikation ist Authentizität, Lebendigkeit und Begegnungsfähigkeit des Heilerziehungspflegers für die Bewältigung vielfältigster beruflicher Herausforderungen entscheidend.
Insofern sehen wir die Ausbildung zur/zum HeilerziehungspflegerIn vorrangig als zeitliche und räumliche Bereitstellung von Angeboten zur Persönlichkeitsentwicklung. Die Bereitschaft zur Selbstentwicklung ist das wichtigste “Werkzeug“ des beruflichen Handelns.
Erkenntnis, Kunst und Praxis als gleichgewichtige und zeitlich wie inhaltlich sich durchdringende didaktische Mittel ermöglichen ein ganzheitliches Ausbildungsgeschehen. Die SeminaristInnen erfahren Heilerziehungspflege als eine sozialgestalterische Aufgabe.
Der Umgang mit Ausbildungsinhalten muss die zukünftigen HeilerziehungspflegerInnen befähigen, Kenntnisse nicht reproduktiv (nachahmend) anzuwenden, sondern in der Praxis zu jeweils neuen Handlungsweisen zu finden. Dies bedeutet, eine aufmerksame und forschende Haltung zu entwickeln. Für viele heilerziehungspflegerische Anforderungen gibt es keine generellen, sondern nur individuelle Lösungen.
Aufeinander aufbauende Entwicklungsmotive in der Ausbildung sind:
1. Ausbildungsabschnitt: Wahrnehmen und Begleiten
2. Ausbildungsabschnitt: Begegnung und Assistenz gestalten
3. Ausbildungsabschnitt: Fachkenntnis und eigenverantwortliches Handeln
Innerhalb der Ausbildung finden sich diese Entwicklungsmotive in folgender Weise wieder:
1. Wahrnehmen und Begleiten (Einfühlen)
Der Beginn der Ausbildung steht ganz im Zeichen der Wahrnehmungsschulung und des Beschreibens der Wahrnehmungsinhalte. Einfühlen können in das was ist und nicht das, was ich erwarte. Es soll gelernt werden, wahrgenommene Phänomene vorurteilslos zu beschreiben. Besonders die Wahrnehmung von Entwicklungsprozessen, von Bedarfen und Möglichkeiten ist eine Fähigkeit, die im Berufsalltag von sehr großer Bedeutung ist.
Auch in den künstlerischen Kursen werden diese grundlegenden Inhalte vermittelt. Hier geht es darum, ein Empfinden für den Raum sowie für Wachstums- und Entwicklungsprozesse zu bekommen (Metamorphose der Pflanze, Plastizieren, Phänomenologie der Farbe, Loheland- und Bothmergymnastik, Einführung in die Eurythmie).
Auch werden in diesem Jahr fundamentale Grundlagen (Menschenkunde, Pflege, Berufskunde usw.) und allgemeinbildende Inhalte (Wirtschaft, Soziologie, Deutsch usw.) im Unterricht erarbeitet.
Am Praxisort sollen die Auszubildenden erste berufliche Aufgaben und Herausforderungen kennen lernen und Menschen mit Hilfebedarf in ihrer täglichen Lebensführung und/oder Arbeitssituation aufmerksam begleiten.
2. Begegnung und Assistenz gestalten (Kommunikation)
Die Schulung der Wahrnehmung geht über in die entscheidende Phase des Beurteilens und Verstehens fachlicher Informationen und Handlungen. Es ist für alle Beteiligte der intensivste Teil der Ausbildung, in dem viele Fragen und Motive bewegt und diskutiert werden. Die Ausbildung stellt die individuelle Urteilsfähigkeit in den Mittelpunkt und fördert damit einen Prozess, in dem sich erste eigene Handlungskonzepte herausbilden können.
Fachtheoretische Seminare (Medizin, Heil-und Behindertenpädagogik, Psychiatrie usw.) werden angeboten. Andere Unterrichtsinhalte (Pflege, Deutsch usw.) werden fortgesetzt und vertieft.
Bei der künstlerischen Arbeit geht es in diesem Abschnitt besonders darum, den Zusammenklang der menschlichen Konstitution zu erkennen. Am Beispiel des Schauspiels werden besonders die Bereiche Eigenwahrnehmung, Fremdwahrnehmung und Zusammenarbeit (Teamfähigkeit) als Kompetenzen entwickelt. Andere Inhalte (Singen und Improvisation mit Instrumenten, Tänze, Plastizieren, Eurythmie) vervollständigen die oben genannten Angebote.
Am Praxisort soll den Auszubildenden neben der Begleitung der Menschen mit Hilfebedarf auch mehr und mehr übergeordnete Aufgaben (Organisation, Verwaltung, Dokumentation usw.) bekannt gemacht und übertragen werden. Einzelne Projekte (Freizeitangebote, Abendkurse, Fördermaßnahmen, etc.) sollen vereinbart und eigenständig ergriffen werden können.
3. Fachkenntnis und eigenverantwortliches Handeln (Fachkraft)
Spätestens im dritten Ausbildungsjahr sollen die Auszubildenden am Praxisort schrittweise das Ausbildungsprofil einer Fachkraft erfüllen, um nach Beendigung der Ausbildung im vollen Umfang als Fachkraft in der Behindertenhilfe verantwortlich tätig sein zu können.
Im Seminar werden die erworbenen Kenntnisse im fachtheoretischen Unterricht vertieft und erweitert. Im letzten Jahr wird von jedem Seminaristen, von jeder Seminaristin eine Projektarbeit geplant, durchgeführt und reflektiert. Hierbei sollen die entwickelten Kompetenzen auf eine Fragestellung im Bereich Förderung und Assistenz hin angewandt werden. Es soll ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen mit Hilfebedarf im Mittelpunkt des Projektes stehen. Die SeminaristInnen sollen beweisen, dass sie sozialtherapeutische Aufgaben inhaltlich, fachlich und in der Praxis bearbeiten können. Die Auszubildenden sollen hierbei auch deutlich machen, dass sie in der Lage sind, ihr sozialtherapeutisches Handeln zu dokumentieren. Auch die ständige Reflexion des eigenen Handelns und die damit verbundene Anpassung an neue Situationen sollen dargestellt werden.
Im künstlerischen Bereich geht es im dritten Jahr darum, Initiative und Gestaltungsräume zu ergreifen (dynamisches Formenzeichnen, Specksteinarbeit, Monotypie und Dripping, Bothmer-Gymnastik, Sprachgestaltung, teilweise mit Präsentation des Erarbeiteten).
Die Fähigkeit, berufliche Fragestellungen in Theorie und Praxis professionell, selbständig und eigenverantwortlich zu bearbeiten, wird am Ende der Ausbildung geprüft und beurteilt.
Erfahrungsvielfalt
Den SeminaristInnen wird empfohlen, während ihrer Ausbildung möglichst verschiedene Tätigkeitsfelder oder Arbeitsgruppen kennen zu lernen. Die Praxiseinrichtungen sollten dies im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen. Das können jährliche Wechsel innerhalb der Einrichtung sein, z. B. Werkstatt-, Wohn- oder Förderbereich, das können Kurzpraktika in anderen Einrichtungen sein, um z. B. die Aufgaben von Kinder- und Jugendhilfe kennen zu lernen. Auch der Wechsel einer Einrichtung ist innerhalb der Ausbildung möglich.

