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Heilerziehungspflege
Nur wer sich selbst erkennt, wird reif für die Begegnungen mit Anderen.(von Erwin Ringel – Psychiater)
Hinter dem etwas sperrigen Begriff Heilerziehungspflege verbirgt sich eine interessante und ambitionierte berufliche Aufgabe, eine Herausforderung an unsere persönliche Haltung in der Begegnung mit anderen Menschen.
HeilerziehungspflegerInnen sind die Fachkräfte in der Behindertenhilfe.
Aufgabenschwerpunkte:
- Sie begleiten und unterstützen Menschen mit einem Hilfebedarf mit dem Ziel, sie in ihrer Eigenständigkeit und ihrer individuellen Entwicklung zu stärken und sie so zu einer selbstbestimmten und möglichst selbstständigen Lebensführung zu befähigen. Dabei helfen sie, dass der zu begleitende Mensch Stärken und Selbstvertrauen (wieder) entdecken kann. HeilerziehungspflegerInnen geben Hilfe bei der Erforschung und Gestaltung von Lebenszusammenhängen und geben Reflexionshilfen zur Lebensdeutung (Biographiearbeit)
- Sie gestalten Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe so, dass Arbeit als sinnhafte gesellschaftliche Teilhabe erfahren wird. Engagement, Verantwortung und Initiativkraft der Menschen sollen gefördert werden.
- Sie assistieren und pflegen Menschen in tagesstrukturierenden Maßnahmen, im Bereich Wohnen und im ambulanten Dienst.
- Sie begleiten und unterstützen Menschen in der Freizeitgestaltung, in ihren kulturellen und religiösen Bedürfnissen. Die Aneignung und der Erhalt lebenspraktischer Fertigkeiten dienen der Ablösung von Abhängigkeiten. Sie sind Helfer bei gemeinschaftsbildenden Prozessen. Sie wirken dabei als „Brückenbauer“ im Zwischenmenschlichen und sind Vermittler bei Konflikten.
- Sie sind Unterstützer im sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Alltag und in der Gesundheitsvorsorge. Sie vermitteln den Austausch mit Angehörigen, Behörden und Firmen und treten für die Rechte der zu begleitenden Menschen ein. In diesem Sinne sind sie auch Sozialreformer bzw. Mitarbeiter an der Veränderung des Umfeldes behinderter Menschen.
- Sie stellen die notwendige und sinnvolle Dokumentation aller pflegerischen und medizinischen Maßnahmen sicher, sowie die geforderte tägliche Dokumentation. Sie schreiben Entwicklungsberichte und erstellen eine Förderplanung. HeilerziehungspflegerInnen beraten Menschen mit einem Hilfebedarf über die Möglichkeiten institutioneller Unterstützung.
- Aber in erster Linie sind sie Partner und Vertrauensperson der von ihnen begleiteten Menschen.
Eine entwicklungsoffene Haltung:
Bei all ihren Tätigkeiten berücksichtigen HeilerziehungspflegerInnen die individuellen Voraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten der zu begleitenden Menschen. Intensive und vertrauensvolle Gespräche mit den zu begleitenden Menschen sind von besonderer Bedeutung. Gespräche mit Angehörigen, etwa mit Eltern und Verwandten, oder mit Freunden, mit Kolleginnen und Kollegen, mit Ärzten und Therapeuten sind für HeilerziehungspflegerInnen weitere wichtige Aufgaben.
Begleiten heißt Lernen:
Stete Weiterbildung, um Fachkenntnisse zu vertiefen und zu aktualisieren, ergänzt durch die engagierte Teilnahme an gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussionen sind selbst-verständlicher Bestandteil der individuellen beruflichen Verantwortung der HeilerziehungspflegerInnen. Das Forschen am eigenen Tätigkeitsfeld, die regelmäßige Reflexion des eigenen Tuns, ist eine wesentliche Bereicherung der fachlichen Entwicklung und fester Bestandteil des Berufsbildes.
Weitere Einsatzfelder:
HeilerziehungspflegerInnen werden zunehmend auch zur Begleitung alter Menschen (z. B. Demenzgruppen), Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Suchtproblematik und im familienentlastenden Dienst eingesetzt. Ihre Hauptaufgabe ist die Begleitung von Menschen mit einem Hilfe- und Unterstützungsbedarf, Menschen, die von einer Behinderung betroffen sind.
Die Berufsbezeichnung:
Die Berufsbezeichnung HeilerziehungspflegerIn setzt sich aus den drei Begriffen: Pflegen, Erziehen und Heilen zusammen.
Pflegen meint zum einen die körperliche Pflege des Menschen, zum anderen die Pflege und Gestaltung des sozialen Raumes in dem Entwicklung durch Begegnung möglich wird.
Erziehung findet als Heilpädagogik nur in der Betreuung von Kindern mit einer Behinderung statt. Auch dieses findet in der Ausbildung seinen Raum. In der Begleitung von Erwachsenen Menschen mit Hilfebedarf entwickeln die Studierenden eine andere Geste. Hierbei geht es darum, Hilfestellungen zu geben, damit der zu begleitete Mensch seine Entwicklung selbstbestimmt gestalten kann.
Heilung meint nicht den medizinischen Begriff des Gesundwerdens nach einer Krank-heit, sondern die soziale Ausgrenzung zu überwinden die immer noch eine gesellschaftliche Realität darstellt. Behinderung entsteht da, wo Menschen an der gesellschaftlichen Teilhabe behindert werden. Eine Gesellschaft kann nur intakt und vollständig (gesund) sein, wenn jeder nach seinen Möglichkeiten in ihr mitgestalten kann.
„Menschen mit Behinderung sind unentbehrlich, (...). Sie bringen ein Korrektiv, das die gängige Leistungsmentalität herausfordert: Nachdenken über das, was als 'normal‘ gel-ten kann, und nachdenken über das, was den Menschen glücklich macht.“ (Dr. Franz Dietl)
„Menschen mit Behinderung sind unentbehrlich, (...). Sie bringen ein Korrektiv, das die gängige Leistungsmentalität herausfordert: Nachdenken über das, was als 'normal‘ gel-ten kann, und nachdenken über das, was den Menschen glücklich macht.“ (Dr. Franz Dietl)
HeilerziehungspflegerInnen wirken damit auf zweifache Weise. Sie unterstützen und begleiten Menschen mit einem Hilfebedarf bei deren individuellen Entwicklung und wirken als Inklusionshelfer, um gesellschaftliche Barrieren zu vermindern oder sogar abzubauen.
Um Entwicklungsprozesse kompetent begleiten zu können, brauchen sie die Fähigkeit das eigene berufliche Handeln zu hinterfragen und immer wieder an neue zukünftige Aufgabenstellungen anzupassen. Entwicklung kann nur gelingen, wenn die Qualität der Begegnung durch ein partnerschaftliches Miteinander geprägt ist. HeilerziehungspflegerInnen sind Bezugs- und Vertrauenspersonen für Menschen mit einem Hilfebedarf. Dies wird erst möglich durch das selbstreflektierte Erkennen der eigenen Rolle im sozialen Miteinander. Erst in der Begegnung mit einem anderen Men-schen werden vorhandene Fähigkeiten erkennbar und individuelle Gestaltungskräfte aktiviert.

